Waldbrand im Hohen Venn: Belgien braucht Vorsicht statt Nachsicht

🔥 Das Hohe Venn steht in Flammen. Über 3.000 Hektar sind bereits verbrannt und das Feuer ist nach wie vor nicht gelöscht. Das Risiko nimmt stetig zu, und deshalb muss Belgien besser vorbereitet sein: durch Stärkung der Feuerwehren, bessere Früherkennung und Warnung, durch widerstandsfähigere Wälder und Moore und durch Bekämpfung des Klimawandels. Volt ruft zu unverzüglichem Handeln auf.

22. Aug 2026

Kontext

Waldbrände sind kein auf Südeuropa beschränktes Phänomen mehr. Von Spanien bis Schottland werden die Brände häufiger, intensiver und immer schwieriger einzudämmen. Auch Belgien ist davor nicht mehr gefeit: der Großbrand im Hohen Venn ist ein drastisches Beispiel.

Mehr als 3.000 Hektar sind im Hohen Venn den Flammen zum Opfer gefallen, und Hunderte AnwohnerInnen mussten evakuiert werden [1]. Die Moor- und Heidelandschaften im Hohe Venn sind eines der wertvollsten Ökosysteme unseres Landes. Ihr Verlust würde das gesamte Ökosystem betreffen, sowie wesentliche Funktionen wie CO2-Speicherung, Artenvielfalt und Wasserregulierung. Selbst wenn Vegetation nachwachsen sollte, wird der nährstoffarme Boden die Regeneration erheblich verlangsamen: es wird Jahrzehnte, möglicherweise sogar ein ganzes Jahrhundert dauern, bis einige Waldbestände wieder ihren Zustand vor dem Brand erreicht haben. Die Moorlandschaften, die über Jahrtausende entstanden sind, werden noch länger brauchen, um sich zu regenerieren und könnten unter Umständen nie zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückfinden [2].

Dies ist der schlimmste Waldbrand, der jemals in Belgien verzeichnet wurde [3].

Volt bekundet seine volle Solidarität gegenüber all den Feuerwehrleuten, den LandwirtInnen, FörsterInnen und den vielen Freiwilligen, die gegen die Flammen ankämpfen. Ebenso begrüßen und befürworten wir europäische Solidarität und die Verstärkung aus unseren Nachbarländern. 

Es reicht aber nicht, das Feuer zu löschen…

Bekämpfung des Klimawandels ist Priorität 

Schon seit Jahrzehnten warnt uns die Wissenschaft vor dem Klimawandel. Er wird vor allem durch menschliches Handeln  befeuert, insbesondere durch die Nutzung fossiler  Brennstoffen. Sie führt unter anderem zu längeren und intensiveren Hitze- und Dürreperioden, was das Waldbrandrisiko erhöht. 

Belgien ist besonders anfällig für Wasserknappheit. Es belegt Platz 18 unter den 25 Ländern, die jedes Jahr mit extremer Wasserknappheit konfrontiert sind [4], insbesondere aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte, Umweltverschmutzung, weitverbreiteter Bodenversiegelung und schneller Wasserableitung. Das alles erhöht die Dürreanfälligkeit. Seit Jahresbeginn wurden in Belgien bereits 234 Waldbrände registriert, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2025 [5].

In der Wallonie sind innerhalb einer 200-Meter-Brandgefahrzone 18 % der Haushalte einem hohen Brandrisiko ausgesetzt, während 34 % mit einem mittelhohen bis hohen Risiko konfrontiert sind [6].

Experten am Climate Risk Assessment Center CERAC warnen zudem vor einem deutlichen Anstieg des Waldbrandrisikos in den nächsten 10 bis 15 Jahren [7]. 

Waldbränden zu verhindern, erfordert jedoch auch die Bekämpfung ihrer unmittelbaren Ursachen: mehr als 90 % aller Waldbrände sind auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen [8].  Prävention, Überwachung und Raumplanung können daher eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung ihrer Häufigkeit spielen.

Angesichts dieser Realität sollte die politische Antwort klar sein: Vorbeugen und Vorsorgen.

Und dennoch…

Die Risiken durch Waldbrände und den Klimawandel nehmen zu, weshalb Belgien seine Reaktionsfähigkeit stärken muss. Unsere Feuerwehren und Rettungsdienste stehen bereits unter starkem Druck: unser Land verfügt über rund 17.000 Feuerwehrleute, wobei die Zahl der Freiwilligen sinkt und in den Katastrophenschutzgebieten Personalmangel herrscht. Unterfinanzierung und Personalmangel beeinträchtigen ihre Fähigkeit, Krisen zu bewältigen, die mittlerweile mehrere Regionen gleichzeitig betreffen können [9]. Neben Personal und Finanzierung hebt ein Bericht des Belgischen Waldbrandnetzwerks, an dem Forschende der Universität Gent (UGent) und der Universität Lüttich beteiligt sind, weitere Schwächen in Belgiens Fähigkeit zur Bekämpfung von Waldbränden hervor. Dazu gehören fehlende Daten, Ausrüstung und Fachkenntnisse, sowie die Komplexität der Verwaltungsstrukturen und die Verteilung der Zuständigkeiten zwischen den Behörden [10].

Die jüngsten Brände im Hohen Venn haben zudem offengelegt, dass es uns an Fähigkeiten mangelt, umweltbedingte Gesundheitsrisiken zu überwachen und zu kommunizieren. Die Bevölkerung wurde nicht schnell genug vor Feinstaubpartikeln im Rauch gewarnt, obwohl lokal sehr hohe PM2,5-Konzentrationen gemessen wurden [11].

Gleichzeitig sind Klimaschutzmaßnahmen unzureichend und stoßen weiterhin auf politischen Widerstand. 2025 forderte unter anderem Vizepremierminister David Clarinval, bestimmte Klima- und Umweltmaßnahmen „auszusetzen“ [12], während die flämische Regierung einige ihrer Klimaziele zurückfuhr [13]. Angesichts der zunehmenden klimabedingten Risiken müssen wir aber sowohl in unsere Reaktionsfähigkeit als auch in Prävention investieren. 

Belgiens nationale Luftkapazität zur Bekämpfung von Waldbränden ist weiterhin begrenzt. Die jüngsten Bestellungen von Chinook- und H145M-Hubschraubern [14] sind eine begrüßenswerte Stärkung der Fähigkeiten unserer Streitkräfte und können im Falle eines größeren Waldbrandes wertvolle Unterstützung leisten. Sie müssen jedoch Teil einer umfassenderen Strategie sein, die Luftkapazitäten, Bodenressourcen, Prävention, Früherkennung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit kombiniert. 

Deshalb fordert Volt:

  • Gemeinsame Beschaffung von Löschhubschraubern mit Luxemburg und den Niederlanden;

  • Prüfung des Einsatzes belgischer A400M-Flugzeuge als Ergänzung für den Abwurf von Wasser oder Löschmitteln aus der Luft; 

  • Stärkung der Früherkennung- und Warnsysteme, um ein Eingreifen zu ermöglichen, bevor sich Brände ausbreiten, und um die Bevölkerung bei gesundheitsgefährdendem Rauch umgehend zu warnen;

  • Aufbau einer nationalen und interregionalen Waldbranddatenbank, in der Brandursachen, Brandflächen, Wetterbedingungen, Brandursachen, Maßnahmen und Schäden erfasst werden, um Prävention, Risikobewertung und Ressourcenplanung zu verbessern;

  • Einrichtung eines föderalen Koordinierungsmechanismus für Waldbrände und Stärkung der Zusammenarbeit zwischen föderaler Regierung, Regionen und Rettungsdiensten, um die Einsatzmaßnahmen zu koordinieren und im Falle eines Großbrandes schnell zusätzliche Ressourcen zu mobilisieren;

  • Stärkung der Brandverhütung in Hochrisikozeiten, insbesondere durch gezielte Informationskampagnen, vorübergehende Einschränkungen bestimmter risikoreicher Aktivitäten und eine bessere Durchsetzung bestehender Vorschriften;

  • Einbeziehung des Waldbrandrisikos in die Raumplanung, insbesondere in Gebieten, in denen Wohnhäuser oder gefährdete Infrastruktur an Wälder, Heidelandschaften oder andere brandgefährdete Naturgebiete angrenzen;

  • Anpassung der Bewirtschaftung unserer Wälder, Böden und Gewässer an die Klimarisiken, insbesondere durch Baumartendiversifizierung und Reduzierung zusammenhängender Bestände brennbarer Vegetation, mit besonderem Augenmerk auf brandgefährdete Nadelholzmonokulturen;

  • Entwicklung strategischer Maßnahmen zur Unterbrechung zusammenhängender Bestände brennbarer Vegetation, angepasst an verschiedene Ökosysteme und in Absprache mit Naturschutzbehörden, sowie die Wiederherstellung von Feuchtgebieten zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit unseres Landes;

  • Entschädigung von LandwirtInnen, die im Hohen Venn im Einsatz waren, für geleistete Arbeitsstunden und entstandene Sachschäden;

  • verbesserte Personalstärke, spezialisierte Ausbildung und Ausrüstung von Feuerwehrleuten, Katastrophenschutz und Forstdiensten

  • und insbesondere den schrittweisen Ausstieg aus unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, um eine Verschärfung des Klimawandels zu begrenzen. 

Die Waldbrände von morgen sind nicht unvermeidlich. Doch mit fortschreitendem Klimawandel steigt auch das Risiko häufigerer und verheerender Waldbrände.

Wir dürfen nicht auf die nächste Katastrophe warten, bis wir handeln. 

Quellen:

[1] https://www.rtbf.be/article/direct-incendie-dans-les-fagnes-habitants-evacues-2700-hectares-partis-en-fumee-les-pompiers-continuent-a-lutter-contre-le-feu-11770992 

[2] https://www.rtl.be/actu/environnement/10000-ans-dhistoire-pourraient-partir-en-cendres-lincendie-menace-un-ecosysteme/2026-08-18/article/797597

[3] https://www.vrt.be/vrtnws/fr/2026/08/16/le-pire-incendie-de-foret-de-l-histoire-de-la-belgique-des-c/ 

[4] https://waterwiser.fr/actualites/la-belgique-face-au-stress-hydrique-extr%C3%AAme-mythe-ou-r%C3%A9alit%C3%A9

[5] https://www.vrt.be/vrtnws/nl/2026/08/17/belgie-telde-op-13-augustus-al-234-natuurbranden-helft-meer-dan/

[6] https://www.cesewallonie.be/sites/default/files/uploads/Evenement/web%27actu%2016.10.2025/20251016_presentation%20J.Teller.pdf

[7] https://www.cerac.be/fr/news/2026-07-la-frequence-des-feux-de-vegetation-ne-cesse-daugmenter

[8] https://environnement.wallonie.be/feux 

[9] https://www.rtl.be/actu/lenquete/cest-une-reelle-catastrophe-les-pompiers-belges-debordes-et-trop-peu-nombreux/2026-06-07/article/790949 & https://www.lesoir.be/765408/article/2026-08-17/il-faut-agir-rapidement-le-president-des-pompiers-denonce-le-sous-financement

[10] https://www.standaard.be/politiek/negen-ministers-in-maart-al-gewaarschuwd-voor-bosbranden-maar-ze-bespraken-rapport-nooit/160228826.html

[11] https://www.rtl.be/actu/magazine/sante/alerte-aux-particules-fines-apres-lincendie-dans-les-hautes-fagnes-pourquoi-t/2026-08-19/article/797781

[12] https://www.lesoir.be/689901/article/2025-07-26/pour-sauver-lindustrie-clarinval-pret-mettre-en-pause-les-mesures-climatiques

[13] https://www.rtbf.be/article/le-nouveau-gouvernement-flamand-freine-ses-ambitions-climatiques-11442379, https://www.demorgen.be/nieuws/n-va-pleit-voor-klimaatpauze-onverantwoord-zegt-klimaatwetenschapper~bc9efce2/?referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F & https://daardaar.be/rubriques/environnement/rechauffement-climatique-labsence-dalarmisme-de-la-n-va-nuit-aux-plus-vulnerables/

[14] https://www.lalibre.be/belgique/politique-belge/2026/08/17/francken-veut-des-helicopteres-chinooks-mais-pour-certains-tout-ce-qui-est-americain-est-mauvais-YV3WAW3LUNCVRKTCXBLNMINTOE/