Waldbrand im Hohen Venn: Belgien braucht Vorsicht statt Nachsicht
đ„ Das Hohe Venn steht in Flammen. Ăber 3.000 Hektar sind bereits verbrannt und das Feuer ist nach wie vor nicht gelöscht. Das Risiko nimmt stetig zu, und deshalb muss Belgien besser vorbereitet sein: durch StĂ€rkung der Feuerwehren, bessere FrĂŒherkennung und Warnung, durch widerstandsfĂ€higere WĂ€lder und Moore und durch BekĂ€mpfung des Klimawandels. Volt ruft zu unverzĂŒglichem Handeln auf.
Kontext
WaldbrĂ€nde sind kein auf SĂŒdeuropa beschrĂ€nktes PhĂ€nomen mehr. Von Spanien bis Schottland werden die BrĂ€nde hĂ€ufiger, intensiver und immer schwieriger einzudĂ€mmen. Auch Belgien ist davor nicht mehr gefeit: der GroĂbrand im Hohen Venn ist ein drastisches Beispiel.
Mehr als 3.000 Hektar sind im Hohen Venn den Flammen zum Opfer gefallen, und Hunderte AnwohnerInnen mussten evakuiert werden [1]. Die Moor- und Heidelandschaften im Hohe Venn sind eines der wertvollsten Ăkosysteme unseres Landes. Ihr Verlust wĂŒrde das gesamte Ăkosystem betreffen, sowie wesentliche Funktionen wie CO2-Speicherung, Artenvielfalt und Wasserregulierung. Selbst wenn Vegetation nachwachsen sollte, wird der nĂ€hrstoffarme Boden die Regeneration erheblich verlangsamen: es wird Jahrzehnte, möglicherweise sogar ein ganzes Jahrhundert dauern, bis einige WaldbestĂ€nde wieder ihren Zustand vor dem Brand erreicht haben. Die Moorlandschaften, die ĂŒber Jahrtausende entstanden sind, werden noch lĂ€nger brauchen, um sich zu regenerieren und könnten unter UmstĂ€nden nie zu ihrem ursprĂŒnglichen Zustand zurĂŒckfinden [2].
Dies ist der schlimmste Waldbrand, der jemals in Belgien verzeichnet wurde [3].
Volt bekundet seine volle SolidaritĂ€t gegenĂŒber all den Feuerwehrleuten, den LandwirtInnen, FörsterInnen und den vielen Freiwilligen, die gegen die Flammen ankĂ€mpfen. Ebenso begrĂŒĂen und befĂŒrworten wir europĂ€ische SolidaritĂ€t und die VerstĂ€rkung aus unseren NachbarlĂ€ndern.Â
Es reicht aber nicht, das Feuer zu löschenâŠ
BekĂ€mpfung des Klimawandels ist PrioritĂ€tÂ
Schon seit Jahrzehnten warnt uns die Wissenschaft vor dem Klimawandel. Er wird vor allem durch menschliches Handeln befeuert, insbesondere durch die Nutzung fossiler Brennstoffen. Sie fĂŒhrt unter anderem zu lĂ€ngeren und intensiveren Hitze- und DĂŒrreperioden, was das Waldbrandrisiko erhöht.Â
Belgien ist besonders anfĂ€llig fĂŒr Wasserknappheit. Es belegt Platz 18 unter den 25 LĂ€ndern, die jedes Jahr mit extremer Wasserknappheit konfrontiert sind [4], insbesondere aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte, Umweltverschmutzung, weitverbreiteter Bodenversiegelung und schneller Wasserableitung. Das alles erhöht die DĂŒrreanfĂ€lligkeit. Seit Jahresbeginn wurden in Belgien bereits 234 WaldbrĂ€nde registriert, mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2025 [5].
In der Wallonie sind innerhalb einer 200-Meter-Brandgefahrzone 18 % der Haushalte einem hohen Brandrisiko ausgesetzt, wÀhrend 34 % mit einem mittelhohen bis hohen Risiko konfrontiert sind [6].
Experten am Climate Risk Assessment Center CERAC warnen zudem vor einem deutlichen Anstieg des Waldbrandrisikos in den nĂ€chsten 10 bis 15 Jahren [7].Â
WaldbrĂ€nden zu verhindern, erfordert jedoch auch die BekĂ€mpfung ihrer unmittelbaren Ursachen: mehr als 90 % aller WaldbrĂ€nde sind auf menschliche AktivitĂ€ten zurĂŒckzufĂŒhren [8]. PrĂ€vention, Ăberwachung und Raumplanung können daher eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung ihrer HĂ€ufigkeit spielen.
Angesichts dieser RealitÀt sollte die politische Antwort klar sein: Vorbeugen und Vorsorgen.
Und dennochâŠ
Die Risiken durch WaldbrĂ€nde und den Klimawandel nehmen zu, weshalb Belgien seine ReaktionsfĂ€higkeit stĂ€rken muss. Unsere Feuerwehren und Rettungsdienste stehen bereits unter starkem Druck: unser Land verfĂŒgt ĂŒber rund 17.000 Feuerwehrleute, wobei die Zahl der Freiwilligen sinkt und in den Katastrophenschutzgebieten Personalmangel herrscht. Unterfinanzierung und Personalmangel beeintrĂ€chtigen ihre FĂ€higkeit, Krisen zu bewĂ€ltigen, die mittlerweile mehrere Regionen gleichzeitig betreffen können [9]. Neben Personal und Finanzierung hebt ein Bericht des Belgischen Waldbrandnetzwerks, an dem Forschende der UniversitĂ€t Gent (UGent) und der UniversitĂ€t LĂŒttich beteiligt sind, weitere SchwĂ€chen in Belgiens FĂ€higkeit zur BekĂ€mpfung von WaldbrĂ€nden hervor. Dazu gehören fehlende Daten, AusrĂŒstung und Fachkenntnisse, sowie die KomplexitĂ€t der Verwaltungsstrukturen und die Verteilung der ZustĂ€ndigkeiten zwischen den Behörden [10].
Die jĂŒngsten BrĂ€nde im Hohen Venn haben zudem offengelegt, dass es uns an FĂ€higkeiten mangelt, umweltbedingte Gesundheitsrisiken zu ĂŒberwachen und zu kommunizieren. Die Bevölkerung wurde nicht schnell genug vor Feinstaubpartikeln im Rauch gewarnt, obwohl lokal sehr hohe PM2,5-Konzentrationen gemessen wurden [11].
Gleichzeitig sind KlimaschutzmaĂnahmen unzureichend und stoĂen weiterhin auf politischen Widerstand. 2025 forderte unter anderem Vizepremierminister David Clarinval, bestimmte Klima- und UmweltmaĂnahmen âauszusetzenâ [12], wĂ€hrend die flĂ€mische Regierung einige ihrer Klimaziele zurĂŒckfuhr [13]. Angesichts der zunehmenden klimabedingten Risiken mĂŒssen wir aber sowohl in unsere ReaktionsfĂ€higkeit als auch in PrĂ€vention investieren.Â
Belgiens nationale LuftkapazitĂ€t zur BekĂ€mpfung von WaldbrĂ€nden ist weiterhin begrenzt. Die jĂŒngsten Bestellungen von Chinook- und H145M-Hubschraubern [14] sind eine begrĂŒĂenswerte StĂ€rkung der FĂ€higkeiten unserer StreitkrĂ€fte und können im Falle eines gröĂeren Waldbrandes wertvolle UnterstĂŒtzung leisten. Sie mĂŒssen jedoch Teil einer umfassenderen Strategie sein, die LuftkapazitĂ€ten, Bodenressourcen, PrĂ€vention, FrĂŒherkennung und grenzĂŒberschreitende Zusammenarbeit kombiniert.Â
Deshalb fordert Volt:
Gemeinsame Beschaffung von Löschhubschraubern mit Luxemburg und den Niederlanden;
PrĂŒfung des Einsatzes belgischer A400M-Flugzeuge als ErgĂ€nzung fĂŒr den Abwurf von Wasser oder Löschmitteln aus der Luft;Â
StĂ€rkung der FrĂŒherkennung- und Warnsysteme, um ein Eingreifen zu ermöglichen, bevor sich BrĂ€nde ausbreiten, und um die Bevölkerung bei gesundheitsgefĂ€hrdendem Rauch umgehend zu warnen;
Aufbau einer nationalen und interregionalen Waldbranddatenbank, in der Brandursachen, BrandflĂ€chen, Wetterbedingungen, Brandursachen, MaĂnahmen und SchĂ€den erfasst werden, um PrĂ€vention, Risikobewertung und Ressourcenplanung zu verbessern;
Einrichtung eines föderalen Koordinierungsmechanismus fĂŒr WaldbrĂ€nde und StĂ€rkung der Zusammenarbeit zwischen föderaler Regierung, Regionen und Rettungsdiensten, um die EinsatzmaĂnahmen zu koordinieren und im Falle eines GroĂbrandes schnell zusĂ€tzliche Ressourcen zu mobilisieren;
StĂ€rkung der BrandverhĂŒtung in Hochrisikozeiten, insbesondere durch gezielte Informationskampagnen, vorĂŒbergehende EinschrĂ€nkungen bestimmter risikoreicher AktivitĂ€ten und eine bessere Durchsetzung bestehender Vorschriften;
Einbeziehung des Waldbrandrisikos in die Raumplanung, insbesondere in Gebieten, in denen WohnhÀuser oder gefÀhrdete Infrastruktur an WÀlder, Heidelandschaften oder andere brandgefÀhrdete Naturgebiete angrenzen;
Anpassung der Bewirtschaftung unserer WÀlder, Böden und GewÀsser an die Klimarisiken, insbesondere durch Baumartendiversifizierung und Reduzierung zusammenhÀngender BestÀnde brennbarer Vegetation, mit besonderem Augenmerk auf brandgefÀhrdete Nadelholzmonokulturen;
Entwicklung strategischer MaĂnahmen zur Unterbrechung zusammenhĂ€ngender BestĂ€nde brennbarer Vegetation, angepasst an verschiedene Ăkosysteme und in Absprache mit Naturschutzbehörden, sowie die Wiederherstellung von Feuchtgebieten zur StĂ€rkung der WiderstandsfĂ€higkeit unseres Landes;
EntschĂ€digung von LandwirtInnen, die im Hohen Venn im Einsatz waren, fĂŒr geleistete Arbeitsstunden und entstandene SachschĂ€den;
verbesserte PersonalstĂ€rke, spezialisierte Ausbildung und AusrĂŒstung von Feuerwehrleuten, Katastrophenschutz und Forstdiensten
und insbesondere den schrittweisen Ausstieg aus unserer AbhĂ€ngigkeit von fossilen Brennstoffen, um eine VerschĂ€rfung des Klimawandels zu begrenzen.Â
Die WaldbrÀnde von morgen sind nicht unvermeidlich. Doch mit fortschreitendem Klimawandel steigt auch das Risiko hÀufigerer und verheerender WaldbrÀnde.
Wir dĂŒrfen nicht auf die nĂ€chste Katastrophe warten, bis wir handeln.Â
Quellen:
[7] https://www.cerac.be/fr/news/2026-07-la-frequence-des-feux-de-vegetation-ne-cesse-daugmenter
[8] https://environnement.wallonie.be/feuxÂ
[9] https://www.rtl.be/actu/lenquete/cest-une-reelle-catastrophe-les-pompiers-belges-debordes-et-trop-peu-nombreux/2026-06-07/article/790949 & https://www.lesoir.be/765408/article/2026-08-17/il-faut-agir-rapidement-le-president-des-pompiers-denonce-le-sous-financement
[13] https://www.rtbf.be/article/le-nouveau-gouvernement-flamand-freine-ses-ambitions-climatiques-11442379, https://www.demorgen.be/nieuws/n-va-pleit-voor-klimaatpauze-onverantwoord-zegt-klimaatwetenschapper~bc9efce2/?referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F & https://daardaar.be/rubriques/environnement/rechauffement-climatique-labsence-dalarmisme-de-la-n-va-nuit-aux-plus-vulnerables/